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Margot Sponer
(1898–1945)



Margot Sponer: Leben und Schaffen


Margot Sponer wird am 10. Februar 1898 in Neisse/Schlesien geboren. Ihre Schwester ist Hertha Sponer (1895-1968), die zu den ersten drei habilitierten Physikerinnen in Deutschland gehört, ab 1932 als außerordentliche Professorin in Göttingen tätig ist und dort durch die Nationalsozialisten aus dem Amt gedrängt wird. Hertha Sponer emigriert 1934 nach Oslo und arbeitet als Professorin in Norwegen und den USA. Im Vergleich zu ihrer Biographie ist über das Leben von Margot Sponer nur wenig bekannt und vor allem der Schluß liegt im Dunkel. Die hier angeführten Daten und Fakten stammen aus dem Aufsatz von Annette Vogt, der Hertha-Sponer-Biographie von Marie-Ann Maushart sowie einigen wenigen persönlichen Angaben im sogenannten "Sponer-Bericht" [*].

Margot Sponer legt 1919 ein Externen-Abitur in Quedlinburg ab und studiert anschließend Klassische Philologie, Romanistik, Germanistik und Arabistik. Ihre Reiselust zeigt sich an der Reihe der Studienorte: Halle, Leipzig, Berlin, Neapel, Grenoble, Madrid; außerdem bereist sie Portugal und Algerien. Nach dem Examen 1929 arbeitet sie als Spanisch-Lehrerin und Lektorin an der Berliner Universität, hier reicht sie auch ihre von Ernst Gamillscheg betreute Dissertation zu "Altgalizischen Urkunden" ein.

1938 reist Margot Sponer für einen Monat nach Mexiko. Dort klärt sie einerseits für Berliner Firmen offene Handelsfragen mit mexikanischen Partnern, andererseits sammelt sie umfangreiche Daten zu in Mexiko lebenden Ausländern, kulturellen Aktivitäten in den verschiedenen Kolonien, dem mexikanischen Erziehungssystem und den Auslandsschulen sowie der Kultur- und Wissenschaftsförderung (z.B. durch Stipendien) verschiedener anderer Staaten in Mexiko. Daraus entsteht ein umfassender Bericht, der mit zahlreichen Anhängen, Zeitungsartikeln und anderen Materialien ergänzt ist. Der Adressat geht aus dem im Nachlaß von Margot Sponer vorhandenen Typoskript jedoch nicht hervor.

In ihrem Bericht erwähnt Margot Sponer auch einen Besuch in den USA, wo sie sich aufgrund einer von ihr wahrgenommenen Deutschenfeindlichkeit aber nicht wohlgefühlt habe. Da ihre Schwester Hertha in die USA emigrierte, kann vermutet werden, daß auch Margot Sponer diese Möglichkeit prüft.

Aus Mexiko kehrt sie jedoch nach Berlin zurück, wo weitere Jahre als Lehrbeauftragte folgen, bis sie 1942 aus dem Dienst entlassen wird. Als Grund wird die persönliche Unverträglichkeit mit ihrem Vorgesetzten vermerkt. Mehrere Eingaben Sponers an das Reichserziehungsministerium zur Wiedererlangung ihres Postens bleiben ohne Wirkung (Vogt 1997, 59). Briefe und andere Quellen lassen heute vermuten, dass Margot Sponer durch das NS-Regime Verfolgte unterstützte und sich am Widerstand beteiligte (vgl. Vogt 1997, 59s.). Nach der Verhaftung durch die Gestapo wird Margot Sponer in das KZ Neuengamme gebracht und im Frühjahr 1945 dort oder auch an einem anderen, unbekannten Ort hingerichtet. Details ihres Engagements sind nicht überliefert, ebensowenig wie die genauen Daten und Umstände ihrer Verhaftung und ihres Todes.



Anmerkung

* Mit "Sponer-Bericht von 1938" ist das Titelblatt des umfangreichen Berichts von Margot Sponers Mexiko-Reise gekennzeichnet, der sich im Nachlaß im Ibero-Amerikanischen Institut befindet.     [zurück]



Quellen:

  • Maushart, Marie-Ann: "Um mich nicht zu vergessen." Hertha Sponer - ein Frauenleben für die Physik im 20. Jahrhundert. Diepholz, GMT Verlag, 1997.
  • Vogt, Annette: "Eine vergessene Widerstandskämpferin. Die Wissenschaftlerin Margot Sponer (1898-1945)." In: Berlinische Monatsschrift 5 (2001): 57-61.
    (Zugänglich unter: http://www.berlinische-monatsschrift.de/bms/bmstxt01/0105porb.htm; 20.10.2004).


Wir danken Frau Dr. Ulrike Mühlschlegel vom Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin sehr herzlich für diesen Text.

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Margot Sponer: Veröffentlichungen


  • Altgalizische Urkunden. o.O., o.V., 1935. [Phil. Diss. Berlin; 20. Juni 1935.] [Wohl auch Palma de Mallorca, Moll; Oficina romanica, 1935. Text spanisch (galicisch?).]
  • "Libre de consolació d'ermità". In: Estudis Franciscans 47 (1935). [Kritische Ausgabe des Textes von Raimundus Lullus]
  • Katalanische Mundarten. Berlin, Institut für Lautforschung an der Universität; Leipzig, Harrasowitz, 1935. (Lautbibliothek: Texte zu den Sprachplatten des Instituts für Lautforschung an der Universität Berlin 70)



Zusammengestellt von Frau Dr. Ulrike Mühlschlegel, der wir herzlich Dank sagen.

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Margot Sponer: Ergänzungen


Zum Nachlass Sponer vgl. http://www.iai.spk-berlin.de/biblioth/nachl/nachld.htm#weitere bzw. speziell [pdf]:

246. Sponer, Margot (1998-1945)

  • P: Philologin, Universitätslektorin für Spanisch in Berlin, 1942 aus dem Dienst entlassen. In Opposition zum NS-Regime, wurde 1945 im KZ Neuengamme ermordet.
  • I: Bericht über eine Reise nach Mexiko im Jahr 1938, mit zahlreichen Anhängen, Tabellen, Zeitungsausschnitten, Programmheften und Briefen. Darin auch: "Kulturelle Tätigkeit in der Deutschen Kolonie".
  • U: 1 Manuskript (51 Blatt) und Anhänge.

Erklärung der verwendeten Abkürzungen:

  • - P: Informationen zur Person. Liegen keine Informationen vor, so wurde die Kategorie nicht angewendet.
  • - I: Kurze Beschreibung des Inhaltes.
  • - U: Angaben zum Umfang.
  • - E: Erschließungszustand. Ist das Material nicht erschlossen, so wurde auf diese Kategorie verzichtet.


Quelle: Schumacher, Gudrun; Wolff, Gregor: Nachlässe, Manuskripte und Autographen im Besitz des IAI. Berlin, Ibero-Amerikanisches Institut, November 2004: 66.

Für diese Angabe danken wir Frau Dr. Ulrike Mühlschlegel (IAI Berlin) sehr herzlich.

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