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Mina Lohse-Barrelet
(1896–1980)



Mina Lohse-Barrelet: Leben und Schaffen


Lohse-Barrelet, Mina Dr. phil.

*10.2.96 Hamburg. A: (24a) Hamburg-Gr. Flottbeck, Arnimstr. 11. LF: Romanistik (Französ. Philologie), Lehrbeauftr. 1.5.30 Univ. Hamburg, Dozentin Hamburger Volkshochsch.



Quelle: Handbuch der deutschen Wissenschaft. Bd. 2. Berlin, Koetschau, 1949. (leicht modifiziert) (ks)

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Beitrag Süselbeck

Wilhelmine Agnes Emilie Barrelet wurde am 10. Februar 1896 als Tochter eines Hamburger Kaufmanns geboren. Da die Familie aus der Schweiz stammte, sprach Mina bereits als Kind Französisch. 1915 legte sie die Abiturprüfung am Wilhelm-Gymnasium ab. Nachdem sie von 1915 bis 1919, ebenso wie die ältere Schwester, als Kriegsvertreterin im höheren Schulwesen tätig gewesen war, studierte sie ab 1919 Romanistik und Geschichte in Hamburg und Genf (SS 1920 und weitere Ferienkurse). Ab 1920 war sie als Mitarbeiterin unter Prof. Dr. Schädel im Romanischen Seminar tätig (vgl. Barrelet o.J.: 3).

Eines der Spezialgebiete des akademischen Lehrers von Mina Lohse- Barrelet, Prof. Schädel, waren die Studien zur katalanischen Sprache. 1904 hatte er sich mit seinen "Untersuchungen zur katalanischen Lautentwicklung" habilitiert und später ein "Manual de fonètica catalana" (1908) veröffentlicht. Schädel pflegte enge Kontakte zu katalanischen Sprachwissenschaftlern, betreute katalanische Stipendiaten und gilt gar als gedanklicher Vater des 1907 gegründeten Institut d'Estudis Catalans (Eberenz-Greoles 1990: 142f., 148-151). Schädel inspirierte Mina Lohse-Barrelet zu ihrer Dissertation über "Mallorkinische Volkslieder und Tänze" (1923).

Vom WS 1931/32 bis einschließlich SS 1961, also rund 30 Jahre lang, war Mina Lohse-Barrelet als Lehrbeauftragte am Romanischen Seminar tätig. Mit einem Umfang von 5 bis 6 SWS war sie für sprachpraktische Übungen im Französischen zuständig. Ihr Lehrangebot reichte von Übersetzungsübungen Deutsch-Französisch über französische Syntax und französische Konversation (zu verschiedenen Themen wie z.B. der französischen Geschichte) bis hin zur "Anleitung zur Abfassung französischer Referate und Aufsätze" (Vorlesungsverzeichnisse der Universität Hamburg, WS 1931/32- SS 1961).

In ihrer Dissertation behandelt Barrelet die verschiedenen kulturellen Einflüsse der Romania auf die Sammlung mallorquinischer Tänze und Volkslieder, die sie in Form und Sprache analysiert. Sie zeichnet die Herkunft der Lieder aus verschiedenen Lebensbereichen (Arbeit, Familie, Freizeit, Kirche etc.) nach und unterteilt sie danach in Arbeitslieder, Tanzlieder, Romanzen, geistliche Lieder, Wiegenlieder und Kinderlieder. Nur die für das katalanisch-provenzalische Sprachgebiet typischen Codoladas fallen aus dieser Kategorisierung heraus, da sie verschiedenen Lebensbreichen und damit Liedtypen zugeordnet werden können. [*]

Als Ursprung der verschiedenen Liedtypen macht Barrelet das Arbeitslied aus, dem sie daher besondere Aufmerksamkeit widmet.

In einem Anhang werden darüber hinaus einige Partituren angeführt und die Schrittfolge graphisch wiedergegeben.

Der Grundton der Dissertation passt sich dem Geist der Zeit an, wenn darin die Tänze und Volkslieder als Ausdruck der Eigenheit des mallorquinischen Volkes angesehen werden und immer wieder die Suche nach dem "individuelle[n] und nationale[n] Gepräge" (Barrelet o.J.: 3) der Lieder und Tänze im Mittelpunkt des Interesses steht. Barrelet (o.J.: 3) will zeigen, "wie dort auf der lieblichen Roqueta [d.h. der Insel Mallorca, K.S.] jahrhunderte- ja jahrtausendelang ein kräftiges Volk, beschäftigt mit der Bebauung der eigenen Scholle, sich seine Eigenart bewahrt und sich dem Einflusse der uniformierenden Kultur der Hauptstädte entziehen konnte" und "wie diese Eigenart des mallorkinischen Volkscharakters bedingt ist durch die schöne Natur, in der die Mallorkiner leben, und durch die Geschichte Mallorkas."

In der Einleitung bedauert Barrelet, dass in der heutigen Zeit nichts übrig geblieben sei von der einstigen politisch, kulturell und literarisch bedeutenden Rolle Mallorcas und von dem "Wagemut der mittelalterlichen Mallorkiner und von ihrem kühnen Drange, die Welt zu erobern" und unter dem "zentralisierenden Einfluss Madrids" die "Erinnerung an seine einstige Grösse und an sein eigenes, kraftvolles Volkstum" "wie ausgelöscht" sei (Barrelet 1923: 6).

Diese Art von Grundton ist wohl auch auf den Einfluss Schädels zurückzuführen, der z.B. während des Ersten Weltkrieges von der Pressestelle der deutschen Armee aus seine Vorstellungen über Patriotismus auch auf Mallorca verbreitete: der mallorquinische Schriftsteller und Philologe Antoni Maria Alcover veröffentlichte Schädels Beiträge in seiner katholisch-germanophilen mallorquinischen Zeitschrift Aurora (Eberenz-Greoles 1990: 153).

Möglicherweise hat Schädel Mina Lohse-Barrelet auch mit dem Sprachwissenschaftler Francesc de Borja Moll bekannt gemacht. Moll stellte nicht nur das von Antoni Maria Alcover begonnene Diccionari català-valencià-balear (1926-1962) fertig, bei dessen Datensammlung auch Schädel zeitweise mitgewirkt hatte (Eberenz-Greoles 1990: 138-141), sondern er übersetzte auch die Dissertation von Mina Lohse-Barrelet ins Spanische ("Cantos y danzas populares en Mallorca", 1928; vgl. Calafat und Pérez i Pinya 2003: 6).

Mina Lohse-Barrelet starb am 11. Februar 1980.

Anmerkung

* Die Codoladas zeichnen sich durch ihre besondere Form (Kombination aus Lang- und Kurzversen) und den Wechselgesang zweier Chorgruppen aus (vgl. Barrelet o.J.: 3).     [zurück]


Quellen:

  • Eberenz-Greoles, Carme. Bernhard Schädel i els Pa´sos Catalans. In: Zeitschrift für Katalanistik 3 (1990): 137-166.
  • Barrelet, Mina. Mallorkinische Volkslieder und Tänze. Gesammelt v. Antoni Jusep Pont, hrsg. u. erläut. v. Mina Barrelet. Hamburg, Masch. Diss., 1922.
  • Barrelet, Mina. Auszug aus der Inaugural-Dissertation. O.J. O.O., o.V. [Angebunden an Barrelet 1922].
  • Calafat, Caterina; Pérez i Pinya, Manuel: "Francesc de Borja Moll. Traductor." In: Quaderns d'Educació 55 (2003): 4-6.
  • Handbuch der deutschen Wissenschaft, Bd. 2, 1949. Berlin, Koetschau Verlag.
  • Vorlesungsverzeichnisse der Universität Hamburg WS 1931/32- SS 1961.


Verfasst von Kirsten Süselbeck.

Wir danken Herrn Eckart Krause, Frau Prof. Margot Kruse und Herrn Prof. Lohse für ihre Mithilfe.



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Mina Lohse-Barrelet: Veröffentlichungen


  • Mallorkinische Volkslieder und Tänze. Gesammelt v. Antoni Jusep Pont, hrsg. u. erläut. v. Mina Barrelet. Hamburg, Masch. Diss., 1922.
  • Auszug aus der Inaugural-Dissertation. O.J., O.O., o.V. [Angebunden an Barrelet 1922].
  • Alphonse Daudet: Lettres de mon moulin. Hrsg. und erl. von Mina Lohse-Barrelet. Braunschweig u.a., Westermann, 1948.
  • Alphonse Daudet : La Chèvre de M. Seguin et d'autres contes. Ausgew. u. erl. von Mina Lohse-Barrelet. Braunschweig u.a., Westermann, 1954.


Zusammengestellt aus dem KVK von Kirsten Süselbeck. [Juli 2005]

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Mina Lohse-Barrelet: Dokumente


Lebenslauf

Lebenslauf von Mina Lohse-Barrelet


Quelle: Barrelet, Mina. Auszug aus der Inaugural-Dissertation. O.J. O.O., o.V: 3 [Angebunden an Barrelet 1922].

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Dissertation: Titelseite


Titelseite der Dissertation von Mina Lohse-Barrelet


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Dissertation: Beispiel einer Schrittfolge


Beispiel einer Schrittfolge aus der Dissertation von Mina Lohse-Barrelet


Quelle: Barrelet, Mina. Mallorkinische Volkslieder und Tänze. Gesammelt v. Antoni Jusep Pont, hrsg. u. erläut. v. Mina Barrelet, Hamburg, Masch. Diss., 1922: unpag. Anhang. (ks)

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Dissertation: Beispiel einer Partitur


Beispiel einer Partitur aus der Dissertation von Mina Lohse-Barrelet


Quelle: Mina Barrelet, Mina. Mallorkinische Volkslieder und Tänze. Gesammelt v. Antoni Jusep Pont, hrsg. u. erläut. v. Mina Barrelet, Hamburg, Masch. Diss., 1922: unpag. Anhang. (ks)

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