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Rosemarie Heyd
(*1905)




Rosemarie Heyd: Leben und Schaffen


Romanisten als Verfolgte des Nationalsozialismus

Heyd, Rosemarie, geb. Burkart, Dr. phil.

Biogr: G: 8.7.1905 Berlin-Schöneberg; V: Karl Burkart, Potsdam, Eisenbahndirektor; M: Eva Reschke; verh: 1941 Kurt Heyd aus Darmstadt; Emigr: 1933 - 1941 Istanbul.

St: Mädchenrealgymnasium Berlin-Steglitz, 1925 Abitur; Studium der Romanistik und Anglistik in Berlin, Freiburg, Marburg und Köln; 1931 Staatsexamen; Studienaufenthalte in Paris, London, Madrid; ab 1928 Studium, 1932 Prom. bei Leo Spitzer. Lehrtätigkeit: Köln 1931 Assistentin; 1933 als Mitarbeiterin Spitzers und Nazigegnerin suspendiert; folgt Spitzer nach Istanbul; dort ab 1933 altfranzösische und spanische Literatur, Sprachunterricht; 1946 - 60 Lektorin Französisch, Deutsch als Fremdsprache an der TH Darmstadt; Arbeit als Dolmetscherin für Französisch und Türkisch; Sprachkurse.

Schriften: Diss.: Die Kunst des Maßes in Mme de Lafayette's "Princesse de Clèves" [= Kölner Romanistische Arbeiten Bd. 6], Köln und Bonn 1933. Artikel: "Frau und Blume bei Proust", in: Archivum Romanicum XV, 1. "Climat", in a. a. O. "Zu Valéry's 'Cimetière Marin'", in: Archiv f. d. Studium d. neueren Sprachen, 161, 1/2. Übersetzungen aus dem Französischen und dem Englischen.

Quellen: Handbuch der deutschen Wissenschaft Bd. II (1949) Berlin: Fr. K. Koetschen, S. 1009; schriftl. Auskunft in Korrespondenz 1987/88.



Quelle: Christmann, Hans Helmut; Hausmann, Frank-Rutger (Hrsg.): Deutsche und österreichische Romanisten als Verfolgte des Nationalsozialismus. Tübingen, Stauffenburg, 1989: 284. (leicht modifiziert) (an, gbb)

Wir danken Frau Brigitte Narr (Stauffenburg Verlag Tübingen) sehr herzlich für die Genehmigung zur Veröffentlichung auf unserer Seite.

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Handbuch der deutschen Wissenschaft

Heyd, geb. Burkart, Rosemarie

Dr. phil. *8.7.05 Berlin-Schöneberg. A: (16) Darmstadt, Kranichsteinerstr. 59 9/10. LF: Romanische Philologie. Lektorat. 1.5.46 Techn. Hoch. Darmstadt. V: D. Kunst des Maßes in Mme. Lafayettes Princesse de Cives, 32; u.a.



Quelle: Handbuch der deutschen Wissenschaft. Bd. 2. Berlin, Koetschau, 1949. (leicht modifiziert) (ks)

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Rosemarie Heyd: Veröffentlichungen


  • Die Kunst des Maßes in Mme. de Lafayette's "Princesse de Clèves". Bonn, Röhrscheid, 1932. [Diss. Köln]

Zahlreiche Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen. Einige davon:

  • Denis Diderot: Der weisse Vogel: Ein Märchen. Darmstadt, Darmstädter Verlag, 1948.
  • François Poli: Haie fängt man nachts. Darmstadt, Schneekluth, 1959.
  • François Poli: Gentlemen von der Teufelsinsel. Gütersloh, Signum, 1963.
  • Bradley Smith: Spanien: Geschichte und Kunst. München u.a., Droemer-Knaur, 1968.
  • Michel Ragon: Das Abenteuer der abstrakten Kunst: Gestalten und Ergebnisse der Pariser Schule. Darmstadt [u.a.], Luchterhand, 1957.
  • David Duff: Die Enkel der Queen: Lebensbilder einer deutschen Fürstenfamilie. Düsseldorf u.a., Diedrichs, 1968.
  • Régine Pernoud: Königin der Troubadoure: Eleonore von Aquitanien. Düsseldorf u.a., Diedrichs, ³1977.
  • David Duff: Eugénie & Napoleon. Düsseldorf; Köln, Diedrichs, 1979.


Zusammengestellt aus dem KVK von Kirsten Süselbeck.

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Rosemarie Heyd: Dokumente


Brief von Frau Dr. Rosemarie Heyd, Darmstadt, vom 8. Januar 1987. Frau Dr. Heyd wurde als R. Burkart am 8.7.1905 in Berlin-Schöneberg geboren. Sie studierte in Marburg und Köln Romanistik und Anglistik und promovierte 1932 bei Leo Spitzer in Köln über Die Kunst des Maßes in Mme de Lafayettes "Princesse de Clèves", Bonn-Köln 1933 (= Kölner Rom. Arbeiten 6). Seit dem 1.5.1946 ist sie Lektorin, später Lehrbeauftragte an der TH Darmstadt.

Im März 1933 - ich war zu einem Studienaufenthalt in Madrid am Centro de Estudios Históricos - kam der nationalsozialistische Umsturz, und es ging Schlag auf Schlag. Spitzer wurde, wie alle jüdischen Professoren, vom Dienst suspendiert. Seine zahlreichen Schüler und wir Assistenten und Hilfsassistenten organisierten spontan eine Protestversammlung, die natürlich erfolglos blieb. Spitzer selbst hatte die unausweichliche Entwicklung schon lange vorausgesehen und war entschlossen, mit seiner Familie ins Ausland zu gehen. Im Sommer 1933 erhielt er eine Einladung an die Universität Manchester, fuhr hin, war aber von der dortigen Situation nicht sehr erbaut. Bald darauf kam dann der Ruf an die Universität Istanbul.

Da ich als Spitzer-Schülerin und erklärte Nazigegnerin natürlich aus meiner Assistentenstelle entfernt wurde, ging ich im Oktober 1933 mit Familie Spitzer in die Türkei. Bald darauf konnte Spitzer auch noch einige andere seiner Schüler nach Istanbul holen, wo er sie an der von ihm eingerichteten, der Universität angegliederten Sprachenschule unterbringen konnte. (Alle Studenten, die nicht eine ausländische Schule besucht hatten, mußten sich einer Prüfung in einer der westlichen Sprachen unterziehen, und wenn sie keine ausreichenden Kenntnisse hatten, nachmittags französische, englische oder deutsche Sprachkurse besuchen. Die damit verbundenen organisatorischen Komplikationen zu schildern, würde zu weit führen.)

Zurück zur Romanistik. Spitzer hatte seine Berufung an die Universität Istanbul einer eigenartigen Verkettung von Umständen zu verdanken. Gerade sollte die Universität, die bis dahin rein türkisch-islamisch war, europäisiert werden. Der Schweizer Prof. Albert Malche aus Genf war damit beauftragt worden, sie zu reformieren und stellte, zusammen mit dem in die Schweiz emigrierten Mediziner Philipp Schwartz eine Liste von entlassenen deutschen Gelehrten auf, und so kamen ca. 40 deutsche Professoren nach Istanbul, in erster Linie Mediziner und Naturwissenschaftler. Für die Philosophische Fakultät waren nur wenige Lehrstühle vorgesehen; übrigens wurden die meisten nur für drei Jahre verpflichtet.

Es war nur ein Philologe vorgesehen; der entsprechende islamische Lehrstuhl hieß "Garb Edebiyat" - "Westliche Literatur". Da nun gerade der renommierte Romanist Spitzer zu haben war, wurde er der Philologe, mit allen entsprechenden Verantwortungen. (Deutsch und Englisch blieben zunächst in den Händen türkischer Assistenten.)

Das Romanische Seminar füllte sich bald mit interessierten und begabten Studenten und Studentinnen. Die Unterrichtssprache war französisch, was sie alle ausgezeichnet sprachen; meist hatten sie französische Missionsschulen besucht. Ich übernahm Altfranzösische und Spanische Literatur, außerdem natürlich auch Kurse an der "Sprachenschule".

Vor Ende des dritten Jahres bekam Spitzer einen Ruf an die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Die türkischen Behörden wollten ihn erst nicht aus seinem Vertrag entlassen. Er sorgte aber dann dafür, daß der inzwischen auch entlassene Prof. Erich Auerbach (Spitzers Nachfolger in Marburg) an seiner Stelle nach Istanbul kam. Wir andern blieben. Ich heiratete 1941 und mußte mit meinem Mann, der zur Wehrmacht eingezogen wurde, nach Deutschland zurückgehen. Meine Kollegen wurden 1944 in der Türkei interniert. - Die "Spitzer-Schule" ist bis heute noch in Istanbul lebendig geblieben. Zwei unserer damaligen Studentinnen sind Professorinnen für Romanische Philologie und lehren Spitzer'sche Literaturinterpretation.



Quelle: Christmann, Hans Helmut; Hausmann, Frank-Rutger (Hrsg.): Deutsche und österreichische Romanisten als Verfolgte des Nationalsozialismus. Tübingen, Stauffenburg, 1989: 52-53. (leicht modifiziert) (an, gbb)

Wir danken Frau Brigitte Narr (Stauffenburg Verlag Tübingen) sehr herzlich für die Genehmigung zur Veröffentlichung auf unserer Seite.

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Rosemarie Heyd: Ergänzungen


Rosemarie Heyd-Burkart (geboren 1905), Bekannte und Gesinnungsgenossin von Schütte-Lehotzki, baute zusammen mit dem Romanisten Leo Spitzer das romanische Seminar der Universität Istanbul auf. Da die Vorlesungen auf Türkisch gehalten werden sollten, musste sie sich wie die meisten Emigranten in kürzester Zeit die türkische Sprache aneignen. Sie erlernte ihre Sprachbasis während der dreitägigen Schiffsreise von Italien in die Türkei.



Quelle: Ludwig, Wolfgang: "Haymatloz. Die Türkei – ein Exilland deutschsprachiger Prominenz." In: Wiener Zeitung 25.01.2002. www.wienerzeitung.at (vollständiger Artikel) (3.6.05) (ks)

Wir danken Herrn Gerald Jatzek von der Wiener Zeitung für die Angabe des Links.

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