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Sophie Barrelet
(1893–1987)



Sophie Barrelet: Leben und Schaffen


Sophie Barrelet wurde am 10. Januar 1893 als Tochter eines Hamburger Kaufmanns geboren. Sie stammte aus einer französisch-schweizerischen Familie und sprach bereits in ihrer Jugend fließend Englisch und Französisch. 1913 legte sie als externe Schülerin einer Knabenschule ihre Abiturprüfung ab. Danach studierte sie in Göttingen und Hamburg. Im Ersten Weltkrieg musste sie ihr Studium unterbrechen, da sie als Kriegsvertreterin in den Schuldienst berufen wurde. Vom WS 1919/20 an war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanischen Seminar angestellt. 1921 erhielt sie die Lehrbefähigung für Französisch, Spanisch, Latein, Mathematik und Philosophie. 1922 reichte Barrelet ihre Dissertation zum Thema "Sprachgeographische Untersuchungen zum Problem der Nasalierung in Frankreich" an der Universität Hamburg ein. Danach war sie als Lehrerin tätig. 1924 gab sie einen Auszug aus dem Roman "José" von Armando Palacio Valdés heraus (Hoffmann 2002: 144f.).

Ab 1926 war Sophie Barrelet an der Hamburger Universität am Institut für Leibesübungen als "Akademische Turn- und Sportlehrerin" tätig. Im WS 1934/35 wechselte sie zum Institut für Erziehungswissenschaften. Hier lehrte sie nicht nur im Bereich der Sport-, sondern auch im Bereich der Fremdsprachendidaktik. Im WS 1932/33 bot sie den Kurs "Fremdsprachlicher Unterricht" und im SS 1934 wie auch im WS 1934/35 eine Veranstaltung mit dem Titel "Übungen über fremdsprachlichen Unterricht an höheren Schulen (mit Unterrichtsbesuchen)" an (Verzeichnis der Vorlesungen, Hamburgische Universität WS 1932/33: 33; SS 1934: 34; WS 1934/35: 39). Zudem war sie bis WS 1936/37 in der geisteswissenschaftlichen und zeitweise auch in der künstlerisch-technischen Fachgruppe für Schulpraktika tätig.

Bereits 1933 trat Sophie Barrelet der NSDAP bei. Innerhalb der politischen Strukturen des Regimes übernahm sie mehrere verantwortungsvolle Posten: sie wurde Leiterin der Gaustelle für Erziehung und NS-Frauenschaft, Gausachbearbeiterin für Mädchenturnen an höheren Schulen, Gausachbearbeiterin für Frauenturnen, Mitglied der NS-Volkswohlfahrt sowie des Reichs-Luftschutzbundes (Saul 1991: 397f.).

Auch Sophie Barrelets Lehrtätigkeit stand unter dem Zeichen nationalsozialistischer Ideologie. Ihre letzte fremdsprachendidaktische Veranstaltung an der Hamburger Universität trägt den Titel "Die national-politische Aufgabe des fremdsprachlichen Unterrichts", der Kurs im darauf folgenden Semester "Mädchenerziehung und Frauenbildung im Neuen Reich" (Personal- und Vorlesungsverzeichnis, Hansische Universität, SS 1936: 81; WS 1936/37 und SS 1937: 89). Auch ihre Begeisterung für die Sporterziehung wird vor diesem Hintergrund verständlich. In einem Artikel in der Berliner Zeitschrift Politische Leibeserziehung schreibt Barrelet:

Das Ziel aller Erziehung und damit auch der Leibeserziehung ist die Heranbildung der Mädchen zu gesunden deutschen Frauen, die sich ihrer völkischen Aufgabe bewußt sind. Volk, Rasse und Persönlichkeit sind die Richtungspunkte der Erziehung. Die Leibesübungen formen Leib und Seele als Träger des Rassenerbes. (Nach Joho 1990: 163)

Für das SS 1937 war Barrelet zwar noch mit einer Veranstaltung zur "Körpererziehung in der nationalsozialistischen Mädchenschule" angekündigt (Personal- und Vorlesungsverzeichnnis, Hansische Universität, WS 1936/37 und SS 1937: 138), jedoch wurde in diesem Semester die Volkschullehrerausbildung aus der Universität an die "Hochschule für Lehrerbildung" ausgegliedert, wo Barrelet 1940 den Professorentitel erhielt (Saul 1991: 397). Sie war hier für die Lehrgebiete "Englisch, Französisch, Spanisch und Methodik des fremdsprachlichen Unterrichts" zuständig (Gutzmann 2000: 242).

1942 wird Barrelet stellvertretende Leiterin der Hamburger Lehrerinnenbildungsanstalt II, 1944 Leiterin der Lehrerinnenbildungsanstalt III (Gutzmann 2000: 632ff.).

1962 ging Sophie Barrelet in den Ruhestand. Sie starb am 26. Oktober 1987 im Alter von 95 Jahren.



Quellen:

  • Gutzmann, Ulrike: Von der Hochschule für Lehrerbildung zur Lehrerbildungsanstalt. Die Neuregelung der Volksschullehrerausbildung in der Zeit des Nationalsozialismus und ihre Umsetzung in Schleswig-Holstein und Hamburg. (Schriften des Bundesarchivs; Bd. 55) Düsseldorf, Droste, 2000.
  • Joho, Michael: Hochschulsport in Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik und der Anfangsjahre des "Dritten Reiches". Eine lokalgeschichtliche Studie zur Militarisierung der Hamburgischen Universität. Stuttgart, Silberburg, 1990.
  • Hoffmann, Traute. Der erste deutsche ZONTA-Club. Auf den Spuren außergewöhnlicher Frauen. Hamburg; München, Dölling und Galitz Verlag, 2002.
  • Saul, Klaus: Lehrerbildung in Demokratie und Diktatur. Zum Hamburger Reformmodell einer universitären Volksschullehrerausbildung. In: Krause, Eckart; Huber, Ludwig; Fischer, Holder (Hrsg.): Hochschulalltag im Dritten Reich. Die Hamburger Universität 1933-1945. (Hamburger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte; Bd. 3) Berlin; Hamburg, Dietrich Reimer, 1991: 367-408.
  • Verzeichnis der Vorlesungen, Hamburgische Universität WS 1932/33 bis 1934/35.
  • Personal- und Vorlesungsverzeichnis, Hansische Universität, SS 1935 bis WS 1936/37 und SS 1937.


Verfasst von Kirsten Süselbeck.

Wir danken Herrn Eckart Krause von der Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte für die umfangreiche Beratung und zur Verfügung gestellten Informationen und Quellen.



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Sophie Barrelet: Veröffentlichungen




Zusammengestellt aus dem KVK von Kirsten Süselbeck.



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Sophie Barrelet: Dokumente



Porträt



Porträt von Sophie Barrelet


Quelle: Hoffmann, Traute. Der erste deutsche ZONTA-Club. Auf den Spuren außergewöhnlicher Frauen. Hamburg; München, Dölling und Galitz Verlag, 2002: 145. (ks)


Dissertation: Sprachgeographische Untersuchungen zum Problem der Nasalierung in Frankreich (nach dem Atlas linguistique de la France)

Inhaltsverzeichnis
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Einleitung
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Schluss
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Schluss

Quelle: Sprachgeographische Untersuchungen zum Problem der Nasalierung in Frankreich. Hamburg, Phil. Diss., 1922. Verfügbar in der Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky, Hamburg (mk, ks)



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